Nuheara: Smarte Kopfhörer als Hörgeräte für Großbritannien

Anfang Oktober teilte die amerikanische FDA mit, dass ein “Hörgerät” der Firma Bose die Zulassung für den US-Gesundheitsmarkt erhält. Es war das erste Mal, dass ein Standard Kopfhörer diese medizinische Zulassung zugeteilt wurde.

Hoer-Gadgets.de berichtete wie viele andere davon. Der Aktienkurs etablierter Hörgerätehersteller ging kurzzeitig um bis zu 10 Prozent nach unten. Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet. Wie Bose mitteilte, ist das Produkt momentan noch nicht auf dem Markt. Ein Erscheinungsdatum ist nicht bekannt.

Bei den Nuheara IQbuds Boost ist dies anders. Die Bluetooth Kopfhörer des australische Herstellers sind bereits in einigen Ländern zum Kauf erhältlich.

Kürzlich vermeldete Nuheara, das die Earbuds vom britischen National Health Service (Nationaler Gesundheitsdienst) ausgewählt wurden, um sie im Zuge von Hörgeräteanpassungen anzubieten.

Der britische NHS bietet kostenlose Gesundheitsleistungen und subventioniert Hörgeräte für viele britische Bürger.

Hierzu ist zu erwähnen, dass Hörgeräteversorgungen in Großbritannien weitestgehend staatlich geregelt sind. Sie findet überwiegend über HNO Ärzte und Kliniken statt.

Die NHS führt laut aktuellen Zahlen etwa 75 Prozent aller Hörgeräteversorgungen in Großbritannien durch.

Berichten der australischen Presse zufolge ist die Vereinbarung zwischen Nuheara und dem NHS ein Meilenstein für das börsennotierte Unternehmen. Nuhearas IQbuds Boost wurden vom NHS als intelligenter InEar Kopfhörer ausgewählt. Sie werden neben traditionellen Hörgeräten verschrieben. Voraussichtlich werden in den nächsten zwei bis vier Jahren tausende von Patienten (Erwachsene und Jugendliche!) mit leicht bis mittelgradigen Hörverlusten mit den Earbuds ausgestattet.

Der Vertrag zwischen der NHS und Nuheara läuft ab April nächsten Jahres zunächst für zwei Jahre. Eine Verlängerung bis ins Jahr 2023 ist durchaus möglich.

boost-iqbuds-case-lights
Pressebild: Nuheara IQbuds Boost mit Ladecase

 

 

Die Kopfhörer

Nuheara selbst bewirbt die Kopfhörer als Produkte für Menschen, die noch nicht bereit sind, ständig ein Hörgerät zu tragen.

Bei den IQbuds Boost handelt es sich um komplett kabellose Bluetooth Kopfhörer. Die Anpassung erfolgt mittels Standard-Ohrhalterung ans Ohr. Sie verfügen über ein Ladecase mit integriertem Akku. Eine volle Aufladung dauert circa 90 Minuten.

Die Anpassung an den Hörverlust findet über das Smartphone statt. Über eine App wird dieser direkt über die Kopfhörer ermittelt.

EarID_Focus_App_Image_1200_sq_grande
Pressebild: Nuheara App

Im zweiten Schritt wird der Hörverlust bewertet. Die App errechnet die benötigte Hörverstärkung. Grundlage ist die Anpassformel NAL-NL2.  Die Formel der national acoustic laboratories findet auch in vielen “klassischen” Hörgeräteanpassungen Verwendung.

Den dritten Schritt des Fittings nennt Nuheara AutoCallibrate. Der Hersteller gibt an, die Kopfhörer genau auf die Patienten-Eigenschaften hin zu kalibrieren.

 

Des Weiteren verfügen die IQbuds über:

 

  • Richtmikrofon-Technologie
  • Streaming für TV (Direkt per Bluetooth oder über TV Connector)
  • Sprachhervorhebung
  • Dynamische Rauschunterdrückung
  • Audio-Mixer (Streaming- und Umgebungsgeräusch)
  • bis zu 20 Stunden Bluetooth-Streaming
  • bis 32 Stunden Akkulaufzeit
  • Wasserabweisend / Schweißfest
  • Anpassbare Tap Touch-Steuerung
  • Kompatibel mit iOS und Android
  • App Unterstützung

 

Fazit

 

Mit den Nuheara IQbuds Boost ist erstmals ein Kopfhörer in Europa als Hörgerät zugelassen worden. Ich persönlich sehe diese Entwicklung bedenklich. Die Geräte verfügen nicht über die audiologischen Möglichkeiten, die individuell angepasste Hörgeräte mit sich bringen.

Ich gehe mit der Einschätzung Nuhearas einher, das die Kopfhörer eine gute “Brücke” zum Hörgerät darstellen können.

Eine Unterstützung durch gesetzliche Kostenträger sendet aber das falsche Signal an den Endverbraucher.

In Deutschland sind die IQbuds Boost bisher nur als Importware erhältlich. Es ist zudem momentan nicht absehbar, dass Kopfhörer eine Zulassung durch den medizinischen Dienst erhalten. Dennoch ist erkennbar, dass Krankenkassen Interesse an den günstigen Alternativen zu Hörgeräten bekunden.

So kooperiert beispielsweise die Barmer bereits seit einiger Zeit mit dem deutschen Startup Mimi Hörtest. Der Anbieter für Online Hörtests und Klangoptimierungssoftware hat zudem eine Kooperation mit dem Münchener Kopfhörer Hersteller Bragi.




Quellen: hearinghealthmatters & smallcups.com

Bilder: Nuheara Website

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s