Das Internet der Dinge – eine smarte Zukunft für Hörgeräteträger

Früher dienten Hörgeräte nur einer Sache. Sie sollten einen Hörverlust ausgleichen. Durch die Digitalisierung sind völlig neue Möglichkeiten dazu gekommen. Die Vernetzung von Systemen spielt eine immer wichtigere Rolle. In diesem Zusammenhang redet man vom “Internet der Dinge”.

Stellt euch folgendes Szenario vor: Es ist Montagmorgen, sieben Uhr und der Wecker klingelt. Noch bevor ihr aufsteht, nehmt ihr eure Hörgeräte aus der Ladestation, setzt diese ein und aktiviert sie.

Im Haus schaltet das Licht an, die Heizung fährt hoch und in der Küche hört ihr, dass die Kaffeemaschine anfängt zu arbeiten.

Später, wenn ihr aus dem Haus geht, stellt sich alles automatisch wieder zurück und das Türschloss verriegelt.

Eine weitere Situation: Ihr erwartet einen guten Bekannten. Dafür steht ihr in der Küche und macht etwas am Mixer. Es ist laut und kaum etwas anderes hörbar. Plötzlich sagt euch eine Stimme ins Ohr. “Es hat an der Tür geklingelt”. Die Klingel hättet ihr durch den Mixer sonst wohl nicht gehört.

Ich habe noch ein Beispiel: Es ist 17.00 Uhr und ihr müsst dringend eure Tabletten nehmen. Da ihr gerade total beschäftigt seid, denkt ihr nicht daran. “Es ist 17.00 Uhr! Zeit für deine Tabletten” erinnert euch glücklicherweise eine Stimme in den Hörgeräten.

Klingt das wie Zukunftsmusik einer vernetzten Welt für euch?

In diesem Falle ist das nur bedingt richtig.

Denn es ist bereits Realität!

Mit Oticon OPN. Den ersten Hörgeräten mit Internetanbindung.

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Oticon OPN

 

Wie funktioniert das ganze?

Um die Vielzahl an Möglichkeiten zu nutzen, die das ”Internet der Dinge” ermöglicht, benötigt man verschiedenes. Beispielsweise entsprechende Produkte aus dem Smarthome-Bereich. Dazu gehören spezielle Steckdosenadapter, Heizungsthermostate, Türklingeln, intelligente Beleuchtungen und vieles mehr.

Diese Systeme verbindet man über WLAN mit dem Smartphone. Die Hörgeräte verfügen ebenfalls über eine Telefon-Kopplung.

Durch eine spezielle App werden die verschiedenen Systeme miteinander bekannt gemacht und ein “Rezept” für sie geschrieben. So ein Rezept könnte in unserem Beispiel lauten:

“Werden die Hörgeräte eingeschaltet, sollen alle Lampen im Netzwerk aktiviert werden”.

Oder:

“Wird die (smarte) Türklingel betätigt, soll das Smartphone eine Sprachnachricht an die Hörgeräte senden”.

Bei den Rezepten handelt es sich um  das “Wenn dies/ dann jenes” Prinzip. Das heißt im englischen soviel wie  “ if this/ than that”. Und so ist auch der Name des benötigten Dienstes: if this than that, oder kurz IFTTT.

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IFTTT: das erste Mal mit Hörsystemen nutzbar

 

Was ist IFTTT?

IFTTT ist ein Dienstleister, mit dessen Hilfe internetfähige Haushaltsgeräte, Websites und Apps kommunizieren können. Mittels sogenannter Applets, (oder “Rezepten”) bestimmt der Nutzer wie die Kommunikation stattfinden soll. IFTTT führt inzwischen weit über 200 Services. Da diese aus völlig unterschiedlichen Bereichen stammen, lässt sich das große Anwendungspotential von IFTTT erahnen.

Auch Oticon stellt einen Kanal (Service) auf IFTTT zur Verfügung.

 

Wie kann ich IFTTT mit OPN Hörgeräten nutzen?

Als Nutzer von Oticon OPN Hörsystemen ist der erste Schritt, das Smartphone mit den Hörsystemen zu koppeln. Da iPhones hier momentan deutlich mehr Möglichkeiten bieten werde ich meine Beispiele darauf beziehen.

Die Kopplung der Geräte funktioniert über die “Einstellungen” des iPhones. Im Bereich “Bedienungshilfen” findet ihr die Möglichkeit Mfi Hörsysteme mit dem Telefon zu koppeln.

Im nächsten Schritt lädt man die Oticon ON App aus dem AppStore. Diese bietet neben der Möglichkeit, Programm und Lautstärke Änderungen an den Hörgeräten vorzunehmen auch den Zugang zu IFTTT.

 

 

Legt dafür ein ON Benutzerkonto in der App an. Das braucht ihr um alle Möglichkeiten der ON App zu nutzen. Es ist zudem die Voraussetzung, um IFTTT nutzen zu können. Nun könnt ihr bei IFTTT auf Entdeckungstour gehen und schauen welch Vielzahl an Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Schade ist, das IFTTT nach wie vor nur in englischer Sprache zur Verfügung steht. Das soll sich aber in Zukunft ändern.

 

Ein Selbsttest

Da ich mit dem Internet der Dinge selbst bisher wenig zu tun hatte, war ich gespannt darauf eigene Erfahrungen zu sammeln. Ich habe ich mir ein paar Oticon OPN Hörgeräte angepasst und diese mit einem IPhone gekoppelt. Entsprechend der Beschreibung habe ich die On App installiert und ein IFTTT Konto sowie ein On Konto angelegt.

 

Smarte Steckdose

Freundlicherweise ist mir für den Test eine smarte Steckdose Belkin WeMo zu Verfügung gestellt worden. Hier ist es ebenfalls notwendig die dazugehörige App auf dem iPhone zu installieren.

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Oticon OPN und Belkin Wemo: ein smartes Trio?

 

Meine Erfahrungen waren eher durchwachsen. Die Einbindung der Steckdose ins heimische WLAN ist erst nach circa zehn Versuchen geglückt. Dafür kann Oticon natürlich nichts. Nach erfolgreichem koppeln ins WLAN war es möglich die angeschlossene Stehlampe per App ein- und auszuschalten. Nun begann ich mit der Kopplung der Oticon OPN und der WeMo Steckdose über IFTTT. Auch hier benötigte ich mehrere Versuche um das “Rezept” zu schreiben.

Wenn die Hörgeräte eingeschaltet werden, soll das Licht ebenfalls an gehen” lautete es sinngemäß. Ein letzter Check durch die IFTTT App hat mir bestätigt, dass das Rezept in Ordnung ist. Beim Test der Funktion blieb die Lampe aber dunkel. Auch nach weiteren Versuchen blieb ich erfolglos.

 

Gmail

Das E-Mail Programm Gmail stellt ebenfalls Rezepte für IFTTT zur Verfügung. Ich startete einen weiteren Test. “Wenn eine E Mail eingeht, sende eine Sprachnachricht mit Absender und Betreff an die Hörgeräte” lautete das Rezept.

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die Kopplung von Gmail und IFTTT lief problemlos. OPN machte hingegen Schwirigkeiten

Schnell schrieb ich mir eine Test-Email und wartete ab. Es dauerte nicht lange, da erschien im iPhone Display ein Info-Fenster der IFTTT App. Eine E Mail ist eingegangen. Die Umwandlung in Sprachsignale hat nicht geklappt. Auch hier habe ich nach mehreren Versuchen und Korrekturen in IFTTT aufgeben müssen. An dieser Stelle verließ mich die Lust weitere Tests durchzuführen.

 

Nachtrag:

Inzwischen habe ich die Zeit gefunden, mich bezüglich meiner Erfahrungen mit einem Vertreter der Firma Oticon zu unterhalten. Im Gespräch bestätigte sich meine Annahme. Ich habe einen Fehler in der Bedienung gemacht. Es ist davon auszugehen das die
On App während meines Tests nicht ordnungsgemäß lief.

Das kann schnell passieren. Müssen doch mindestens drei Apps parallel laufen, um IFTTT mit Hörgeräten zu nutzen.(Die beiden Apps der zu verknüpfenden Dienste und IFTTT). Vielleicht ergibt sich für mich irgendwann die Möglichkeit den Test noch einmal zu wiederholen.

 

 

Fazit

Grundsätzlich ist die Idee Oticons, Hörgeräte ins Internet einzubinden super. Wahrscheinlich würde ich mit weiteren Testversuchen erfolgreich sein.

Ein Ziel meines Blogs ist es, die Alltagstauglichkeit der Produkte zu testen. Und diese fehlt, meiner Ansicht nach, dem System noch. Das Arbeiten mit drei oder mehr Apps, teilweise in englischer Sprache ist recht kompliziert.

Ich möchte an dieser Stelle zum Ausdruck bringen, dass ich mich hier ausschließlich auf die IFTTT Funktionen der Geräte beziehe. Ansonsten sehe ich Oticon OPN als eines der fortschrittlichsten Hörsystem am Markt.

Wahrscheinlich zeigen vor allem erfahrene SmartHome-Nutzer Interesse an der Internetfähigkeit des Systems. Ihnen fällt der Umgang mit dieser Art Systeme sicherlich leichter.

Meine Wünsche für die Zukunft: Oticon sollte mit dem Gedanken spielen, komplette Lösungen für verschiedene Anwendungsbereiche zu bieten. Sie könnten die passende Hardware zu ihren Hörgeräten mit den entsprechenden “Rezepten” bereitstellen. Eine Nutzung der Funktionen in Muttersprache erleichtert den Umgang.

Die Nutzung des Internets der Dinge wird für Hörgeräteträger immer interessanter. Es ist nur eine Frage der Zeit das leicht bedienbare Systeme den Markt erobern. Oticon hat in diesem Bereich Pionierarbeit betrieben. Sie wird in naher Zukunft Früchte tragen.

Ein Kommentar zu „Das Internet der Dinge – eine smarte Zukunft für Hörgeräteträger

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