Mimi Hearing: Hörtest und Klangverbesserungs-App im Test

In einem meiner letzten Artikel stellte ich euch an dieser Stelle die kabellosen Kopfhörer the dash pro von Bragi vor .

Das Münchener Start Up kündigte auf der diesjährigen CES in Las Vegas an, seine Produkte in eine neue, gesundheitsorientierte Richtung zu führen. Dafür ist Bragi eine Kooperation mit Mimi Hörtest eingegangen. Grund genug sich Mimi einmal genauer anzuschauen.

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„the dash pro“ von Bragi

Momentan hat Mimi zwei Apps für Endverbraucher im Portfolio. Die eine bietet die Möglichkeit eines Hörtests , die andere ermöglicht es Musik des Smartphones an das eigene Gehör anzupassen. Ziel des Anbieters ist es, möglichen Hörschäden vorzubeugen und die Aufmerksamkeit fürs Hören zu sensibilisieren.

 

Hörtest App

Das Angebot an Hörtest Apps im App Store ist groß. Viele Anbieter haben den Trend erkannt. Dennoch sticht die Mimi App meiner Ansicht nach heraus. Die Art und Weise der Durchführung des Tests führt zu beachtlichen Ergebnissen.

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Steht das Berliner Start Up momentan noch am Anfang der Entwicklung, ist das Ziel klar definiert. Man möchte individualisierte Hörlösungen in den verschiedensten Bereichen anbieten. So wird es beispielsweise möglich sein, das Smartphone mit Kopfhörern als eine Art Hörgerät zu nutzen.

Hierzu äußert sich Prof. Dr.med. Manfred GrossMBA, Charité – Direktor für Audiologie und Phoniatrie auf der Mimi Homepage wie folgt:

Smartphones sind mittlerweile überall. Gleichzeitig besitzen sie alle erforderlichen Hardware-Elemente, um als Hörhilfe zu dienen. Hinzu kommt, dass wir einen Paradigmenwechsel in der Benutzer-Mentalität beobachten: Die jüngere Generation ist sehr offen für die zusätzlichen Funktionen die Smartphones bieten, ganz im Gegensatz zur älteren Generation. Als Folge davon wird sich die Wahrnehmung von Hörgeräte-Technologie ändern, von einer starken Stigmatisierung hin zu einer attraktiven personalisierten Lösung für die Verbesserung der alltäglichen Hörerfahrung.

 

Projektförderung In einem gemeinsamen Forschungsprojekt

Mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin arbeitet Mimi an der Entwicklung einer neuen Generation digitaler Hörgeräte. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie fördert das Projekt für zwei Jahre.

Mimi möchten ihre Technologie überall dort zur Verfügung zu stellen, wo Anwender mit Klang in Berührung kommen. Sei es in smarten Lautsprechern, im Autoradio oder im Wohnzimmer-Soundsystem.
So wird das Start Up seine Technik in Zukunft auch weiteren Partnern zur Verfügung” stellen.

 

So funktioniert der Hörtest

Es wird empfohlen denmedizinisch fundierten” Test an einem ruhigen Ort durchzuführen. Das Smartphone-Mikrofon überprüft und bewertet die Umgebungslautstärke. Ist es ruhig genug, kann der Test beginnen.

Die App fordert den Nutzer nun auf einen Kopfhörer an das Handy anzuschließen. Es ist davon auszugehen das die Kopfhörer-Qualität das Ergebnis beeinflussen kann. Ich habe den Test mit Apple Earpods durchgeführt. Den Standard Kopfhörern des iPhones. Mit einem etwas besser abdichtenden System wäre das Ergebnis gegebenenfalls besser ausgefallen.

 

 

 

Der Messbereich bezieht sich auf Frequenzen zwischen 125 Hz und 8000 Hz. Diesen Frequenzbereich sollte jeder Kopfhörer unterstützen. Die Durchführung des Tests ist simpel. Auf dem Display befindet sich ein großer Button.

Solange der dargebotene Ton gehört wird, bleibt der Finger auf dem Display-Button. Verschwindet der Ton aus dem hörbaren Bereich, wird der Finger gelöst. Ist wieder ein Ton hörbar, setzt man den Finger zurück auf das Display.

 

 

So testet die App nacheinander alle Frequenzen für ein Ohr. Danach ist das andere Ohr an der Reihe.

 

Auswertung

Nach abgeschlossenem Hörtest wertet das Programm die Daten aus und vergleicht sie mit anderen Testpersonen.

Mimi gibt an, bereits mehr als 500000 Menschen nach erfolgtem Test in ihrer Datenbank erfasst zu haben. So erhält man Vergleiche zu gleichaltrigen Personen gleichen Geschlechts.

 

 

Es wird ein Tonaudiogramm für beide Ohren erstellt. Man erhält Aufschluss über die Stärke eines eventuellen Hörverlustes und zu Unterschieden zwischen den beiden Ohren.

Die App erbittet zudem die Erlaubnis, in Zukunft an weitere Tests zu erinnern. In meinen Augen ist das eine „win-win“ Situation. Der Nutzer behält Veränderungen seines Gehörs im Auge. Der Anbieter hingegen kann umfangreiche Daten für zukünftige Entwicklungen sammeln.

 

 

 

Weiterer Inhalt der App

Die iOS App bietet seinen Nutzern weitere Bereiche. So kann der persönliche Cocktailparty-Effekt ermittelt werden. Zudem stehen Empfehlungen zum Schutze des Gehörs zu Verfügung. Dafür wird auf entsprechende Internetseiten verlinkt.img_00558645862000506496019.png

Wie schon beim Öffnen der App zu erkennen, besteht eine Kooperation mit der Barmer Ersatzkrankenkasse. So verweist die App beispielsweise zu einer Umfrage zum Hören” auf die Barmer Internetseite.  Nicht zuletzt wird im Bereich Entdecken” auf die Music App verwiesen.

Die ersten Tests habe ich auf einem Google Smartphone durchgeführt. Der Umfang der beiden Apps ist bei Android allerdings deutlich eingeschränkter.

 

 

Music App

Die Mimi Music App ist ebenfalls nur nach vorheriger Anmeldung nutzbar. Dass heißt: Auch hier dient das Programm unter anderem zum Sammeln von Daten für den Anbieter.

Der implementierte Hörtest ist deutlich einfacher gehalten. Einen Zugriff auf die Hörtest App scheint es nicht zu geben. Anhand zweier Display Buttons entscheidet der Nutzer, ob er den dargeboten Ton auf der rechten oder linken Seite gehört hat.

 

 

 

Diese Daten, zusammengeführt mit Vergleichswerten der Datenbank dienen zur Optimierung der Audiosignale des Smartphones. Die App legt einen Filter über die Musik, um sie dem individuellen” Hörvermögen anzupassen.

 

 

 

 

Hierbei wird die Musik laut Anbieter nicht lauter. Ein patentiertes Verfahren führt vielmehr dazu, das Signal satter und klarer klingen zu lassen. Über einen Display-Steller hat der Nutzer die Möglichkeit die Stärke des Filters zu beeinflussen (mimifizieren).

 

 

 

 

Zudem steht ein individueller Klangmischer zur Verfügung. Das Mikrofon des iPhones beziehungsweise des Kopfhörers (wenn vorhanden) lässt im gewünschten Umfang Signale aus dem Umfeld zu. Diese sind ebenfalls dem Hörvermögen angepasst.

Musikdienste wie Spotify oder Apple Music lassen sich mit der App verbinden. So hat der Nutzer auch hier die Vorteile des modifizieren Signals.

 

Ausblick und Fazit

Mimi steht mit den Entwicklungen am Anfang. Es ist in naher Zukunft mit Veränderungen und Weiterentwicklungen zu rechnen. So wird der Markt für individualisierbare Audiogeräte wachsen.

In Verbindung mit entsprechenden Kopfhörern, beispielsweise Bragis “the Dash tailored by Starkey”, wachsen der Hörgeräte Markt und der Kopfhörer Markt immer mehr zusammen. Momentan bieten Apps und Kopfhörer keine Vorteile gegenüber Hörgeräten. Alle genannten Funktionen sind in modernen Systemen mit smarten Zusatzfunktionen realisierbar.

Hörakustiker ermitteln für die Anpassung deutlich umfangreichere audiologische Kenndaten. Zudem unterliegt der Akustiker dem Datenschutz. Die ermittelten Daten bleiben entsprechend bei ihm.
Hörgeräte sind zudem Medizinprodukte. Das heißt: Es ist sichergestellt das sie ihren Nutzen erfüllen und das Gehör nicht zusätzlich schädigen. Der Hörakustiker hat die Möglichkeit, die Einstellung des Hörsystem objektiv, mit entsprechenden Messverfahren, auf Sinnhaftigkeit zu prüfen. Das alles bieten Smartphone Apps nicht.
Außerdem stellen Hörgeräte in den meisten Fällen die diskreteste Lösung dar.

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