Made for iPhone – Streaming-Hörgeräte im Überblick (Teil 2):

Vor einigen Tagen erschien der erste Teil meines großen made for iPhone”-Hörgeräte-Vergleichs. Darin standen die Konzerne Sivantos (Signia und Audioservice) und Wiliam Demant Holding (Oticon und Bernafon) im Mittelpunkt. Im zweiten Teil beleuchte ich die Produkte von GN Resound, Widex und Starkey.

Dazu gibt es einen kleinen Ausblick, sowie einen Überblick, was andere Hörgerätehersteller als Alternativen bieten.

Im großen “made for iPhone”-Vergleich* schauen wir uns folgende Teilbereiche an:

Apps: Welche Apps stellt der Hersteller zur Verfügung und welche Möglichkeiten bieten diese?

iPhone Daten: Welche Sensoren des iPhones werden in der App und den Hörgeräten verwendet und wozu dienen sie?

Besonderheiten: Welche Besonderheiten bieten die Geräte und die Apps?

*) Audiologische Daten sind ein wesentliches Unterscheidungskriterium der Hörgeräte. Diese stehen in diesem Vergleich aber nicht im Fokus.

 

GN Resound – LinX 3D und Enzo 3D

Resound gehört zu dem großen “Hör-Konzern” Great Nordic (GN) aus Dänemark. Hierzu zählt neben den Hörgerätemarken Interton** und Beltone (nicht in Deutschland erhältlich) auch die Marke Jabra. Diese ist vor allem im Kopfhörer- und Headset-Markt beheimatet.

Resound brachte im Jahr 2014 das Hörgerät LinX auf den Markt. Es gilt als das erste iPhone-Hörgerät weltweit. Nach dem LinX² (und Enzo²) im Jahr 2015 kam mit dem LinX 3D im letzten Jahr bereits die dritte Generation in den Handel. Zudem wird das Portfolio mit dem Enzo 3D um Hinterohr-Systeme im Power-Segment erweitert.

 

 

Die Daten im Überblick:

Apps:

Seit der jüngsten Generation bietet Resound die Smart 3D App für seine iPhone-Geräte. (Bis zum LinX² kam die Smart App zum Einsatz). Sie ist ebenfalls als Apple Watch App verfügbar.

Die Smart 3D App bietet alle typischen Fernbedienungsfunktionen.

Lautstärke; Programmwechsel; Stummschaltung des Systems;

In jedem Programm kann der Träger individuell den Klang in drei Kanälen (Tiefen, Mitten, Höhen) an die Situation anpassen. Programmspezifisch ist es zudem möglich, individuelle Änderungen vorzunehmen. So hat man beispielsweise im “Outdoorprogramm” Einfluss auf Windgeräusche. Im Programm “Restaurant” ist es möglich, den Sprachfokus (Richtmikrofone) und die Störgeräuschreduktion zu verändern.

Des Weiteren ist es möglich, die korrigierten Programme mit Geodaten zu belegen.

iPhone-Daten:

Die Smart 3D App nutzt GPS-Daten für die individuelle Programmgestaltung. Zur Erklärung dient am besten ein Beispiel: Stellt Euch vor, ihr seid bei eurem Lieblingsitaliener. Um das Hören zu optimieren, nehmt ihr Veränderungen in dem entsprechenden Hörprogramm vor. Im nächsten Schritt nutzt die App die GPS-Daten des iPhones um das Programm mit Geodaten zu belegen.

Wenn ihr das nächste mal den Italiener besucht, wechseln die Hörgeräte automatisch wieder in eure bevorzugten Einstellungen für diesen Standort. Die Geodaten dienen außerdem dazu, ein verlegtes Hörgerät wieder zu finden.

 

 

 

Besonderheiten:

GN Resound bietet die Möglichkeit, ein Hörsystem parallel mit einem Cochlea-Implantat zu betreiben (siehe auch hier). Diese bimodale Lösung ist momentan einzigartig am Markt.

In der Smart 3D App ist ein Tinnitus-Manager implementiert. Über ihn sind umfangreiche Übungen für Betroffene umsetzbar. Zusätzlich ist es möglich, die resound Relief App aus dem App Store zu installieren.

Im Bereich “mein Resound” ist der Resound Assist zu finden. Hat man entsprechende Vereinbarungen mit dem Akustiker getroffen, ist eine Ferneinstellung der Hörgeräte und die Kommunikation mit dem Akustiker über die App möglich.

**) Interton bietet mit dem Centro ebenfalls ein iPhone-fähiges Hörgerät. Die App basiert auf der Resound Smart App, welche bis zum LinX² zum Einsatz kam.

 

Widex – Beyond

Widex ist der dritte Hersteller, der in Dänemark beheimatet ist. Hier findet in einem modernen, neu errichteten und – CO² neutralen Gebäude die komplette Entwicklung und Fertigung der Hörlösungen statt. Widex setzt seinen Schwerpunkt auf gute Klangeigenschaften und möglichst optimale Wiederherstellung der Hörfunktionen.

Ende 2016 stellte Widex das Hörsystem Beyond, eine Weiterentwicklung der Unique Technologie dem Publikum vor. Seit Anfang 2017 ist das iPhone-fähige Hörsystem in vier Technikstufen am Markt erhältlich.

Download
Widex Beyond (Bildquelle: Widex Dänemark)

 

Die Daten im Überblick:

Apps:

Widex hat für das Beyond eine gleichnamige App in den App Store gestellt. Sie verfügt über die klassischen Fernbedienungsfunktionen und ist auch als Apple Watch App verfügbar.

Über das Soundmenü lassen sich Programme individuell anpassen. Je nach Programm stehen unterschiedliche Funktionen zur Verfügung. Neben einem 3-Band-Equalizer ist es beispielsweise möglich, den stufenlosen “Soundmischer” zu nutzen. Dieser ist immer dann verfügbar, wenn neben dem akustischen Signal Audiosignale des iPhones zu hören sind. Um die Umgebungsgeräusche hervorzuheben, schiebt ihr den Steller weiter nach links. Stehen Anrufer oder Musik im Vordergrund, wird der Steller entsprechend in die andere Richtung geschoben.

Die Richtmikrofone sind über ein zusätzliches Programm in fünf verschiedenen Einstellungen zu bringen. Alle Funktionen sind in allen vier Leistungsklassen der Geräte erhältlich.

iPhone Daten:

Auch das Beyond nutzt GPS Informationen des iPhone für Geodaten. Das individuell erstellte Hörprogramm lässt sich, wie bei Resound, mit einem bestimmten Standort verlinken. Auch eine Hörsystem-Suche ist über die App möglich.

 

 

Besonderheiten:

Widex nutzt für die Übertragung von Audiodaten unterschiedliche Spulen in den Hörgeräten. Während Signale in Bluetooth-Qualität, wie sie beim iPhone üblich sind, eine obere Grenzfrequenz bei circa 8000 Hz aufweisen, kommt beim Audioadapter TV Dex eine andere Empfangsspule zum Einsatz. So lassen sich Signale vom Fernseher und der heimischen Stereoanlage bis zu einer Frequenz von circa 11000 Hz und weniger kompressiv übertragen. Der Klang ist dadurch nochmals angenehmer und natürlicher. Nachteilig ist hierbei, dass ein zusätzliches Gerät um den Hals getragen werden muss. Andere Hersteller verzichten – auf Kosten der Klangqualität – auf dieses zusätzliche Zubehör und streamen direkt in die Geräte.

 

Starkey – Halo2 ***

Starkey ist ein Hörgerätehersteller aus den Vereinigten Staaten. In Europa zählt Starkey eher zu den kleineren Herstellern. Im weltweit wichtigsten Hörgerätemarkt Amerika haben sie eine wichtigere Position. Starkey gehört zu den fünf größten Herstellern für Hörlösungen. Eine Besonderheit des Unternehmens ist das große soziale Engagement. Die Starkey Hearing Foundation stellt jährlich etwa 100.000 Hörgeräte zur kostenlosen Anpassung für bedürftige Menschen zur Verfügung (Quelle: Wikipedia).

Kurz nach dem Resound LinX kam Starkey mit ihrem Pendant Halo auf den Markt. Dieses gibt es in den Bauformen RIC und Power HdO. Das RIC-Gerät ist seit letztem Jahr in zweiter Generation als Halo 2 erhältlich.

Die Daten im Überblick:

Apps:

Die trulink hearing control App bietet alle klassischen Fernbedienungsfunktionen. Die Einstellungen lassen sich zudem durch die Apple Watch oder ein iPad vornehmen.

Die App bietet eine einzigartige “Soundspace”-Funktion. Durch sie ist es möglich, die jeweiligen Hörprogramme stufenlos in Lautstärke und Tonhöhe zu ändern. Das Individualisieren von Hörprogrammen ist dadurch nahezu grenzenlos möglich. Die veränderten Programme kann man mit Geodaten belegen.

iPhone-Daten:

Ähnlich wie Resound und Widex nutzt Starkey Geodaten für individuelle Hörprogramme an  bestimmten Orten. Auch bei Starkey ist die Hörgeräte-Suchfunktion integriert. Das Iphone-Mikrofon lässt sich für schwierige Hörsituation, zur Verringerung des Abstands zum Sprecher nutzen. Diese Funktion ist aus der App heraus aktivierbar.

 

 

Besonderheiten:

Während Starkey viele Funktionen anderer Hersteller in seiner App vereint, ist der “Soundspace” die herausragendste Funktion der Trulink-App.

***) voraussichtlich Anfang März 2018 wird das Halo iQ als Nachfolger des Halo2 auf den Markt kommen. Dieses Gerät bringt einige audiologische Neuerungen. Die Streaming Funktionen sind mit denen des Halo2 vergleichbar.

 

Aussicht:

Momentan stellen noch nicht alle Hersteller Hörgeräte mit dem Label “made for iPhone” zur Verfügung. Der Schweizer Konzern Sonova mit den Marken Phonak, Unitron und Hansaton hält sich bisher zurück. Sie bieten Lösungen mit Streamer als Alternative.

Phonak hat jüngst mit dem Audeo B direct ein Gerät auf den Markt gebracht, welches mit allen Bluetooth-Telefonen koppelbar ist. Hier steht vor allem das Telefonieren im Fokus. Phonak nutzt das ältere und stromintensivere Bluetooth 2.1 als Funkstandard. Die Übertragung wird mono mit einem Hörgerät aufgebaut.

Phonak hat diese Variante vermutlich gewählt, um eine größere Zielgruppe anzusprechen.

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Audeó B direct (Bildquelle: Sonova)

Android-Nutzer kommen nur in seltenen Ausnahmen in den Genuss des direkten Streamings. Sie benötigen ebenfalls einen Streamer zur Übertragung von Audiodaten. Koppeln ihr eure iPhone-fähigen Hörgeräte mit dem Android-Smartphone, sind nur Funktionen nutzbar, die keine Audiodaten beinhalten. Beispielsweise Fernbedienungsfunktionen oder die Nutzung von Geodaten. Die meisten Anbieter stellen entsprechende Android-Apps für ihre Hörgeräte zur Verfügung.

Wenn man den Einschätzungen des Marktes Glauben schenken mag, ist frühestens im Jahr 2019 damit zu rechnen, das Android-Smartphones in der Lage sein werden, Audiodaten direkt zu streamen. Bis dahin ist dieser Vorteil iPhone-Nutzern vorbehalten. Für sie stehen eine Vielzahl an Geräten mit individuellen Eigenschaften zur Verfügung.

7 Kommentare zu „Made for iPhone – Streaming-Hörgeräte im Überblick (Teil 2):

  1. Sorry, kenne es leider nicht näher. Ich vermute aber, dass das Streaming viel Strom braucht und deutlich weniger bietet als beim Beyond. Das Beyond ist meiner Ansicht nach ein recht gutes Gerät!

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  2. Super danke, bin im Moment in der Testphase, teste gerade das Widex Beyond, hast du Erfahrungsberichte bzw. Vergleichsberichte zum Phonak, kenne das garnicht

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  3. Danke für die schnelle Antwort, ja hören ist mir klar, aber nicht sprechen ohne das iPhone aus der Handtasche zu nehmen, also wie Headset Funktion

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  4. Hallo Marion,
    alle hier vorgestellten Hörgeräte bieten eine Verbindung direkt zum IPhone. Somit ist das Telefonieren ohne weiteres Zubehör möglich. Außerdem bieten einige Hersteller spezielle Telefone im Festnetz-Bereich an, die Signale per Funk an die entsprechenden Hörsysteme übertragen. Vermutlich wird es im nächsten Jahr möglich sein auch Android Smartphones direkt mit den Hörgeräten zu koppeln.

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