Made for iPhone – Streaming-Hörgeräte im Überblick (Teil 1):

Es ist noch gar nicht lange her, da wurde eine Revolution losgetreten. Mit dem Resound Linx hat der dänische Konzern GN das erste Hörsystem “made for iPhone” auf den Markt gebracht.

LiNX 3D iPhone Watch
Resound linX 3D (Bildquelle Resound Deutschland)

Resound war 2014 einer der wenigen Hersteller, die auf die 2.4 gHz-Technik (bekannt durch Funktastaturen und Mäuse) setzten. Damit hatten sie den Mitbewerbern gegenüber einen Vorteil. Diese haben zu diesem Zeitpunkt ausschließlich Bluetooth und Nahfeld-Lösungen favorisiert. Diese benötigen ein Zusatzgerät in Form eines Streamers, um Audiodaten in die Hörgeräte zu senden. Dieser Streamer wird um den Hals getragen oder im Brustbereich an die Kleidung geclippt.

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RIC-Hörgerät mit Streamer

Inzwischen wird die 2,4 gHz Technologie zum Standard der Funklösungen für Hörgeräte. So ist es nicht verwunderlich, dass eine Vielzahl an Herstellern Geräte “made for iPhone” ins Portfolio aufgenommen haben.

Insgesamt bieten acht der elf großen Hersteller Streaming-Hörgeräte an. Das Portfolio reicht dabei vom kleinen, unauffälligen RIC-Hörgerät bis hin zur Power-Versorgung für hochgradige Schwerhörigkeiten. Die audiologischen Unterschiede sind ein wesentliches Unterscheidungskriterium der Hörgeräte.

Dennoch möchte ich in diesem Beitrag vor allem die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Streaming-Bereich beleuchten. Dafür lohnt es sich, die einzelnen Hersteller und ihre Produkte mal etwas genauer anzuschauen.

Um das Ganze zu veranschaulichen, betrachte ich die Geräte in drei Bereichen:

 

Apps: Welche Apps stellt der Hersteller zur Verfügung und welche Möglichkeiten bieten diese?

iPhone-Daten: Welche Sensoren des iPhones werden in der App und den Hörgeräten verwendet und wozu dienen sie?

Besonderheiten: Welche Besonderheiten bieten die Geräte und die Apps?

 

Im ersten Teil dieses Beitrags geht es um die Marken Signia und Audioservice des Sivantos Konzerns und die Marken Oticon und und Bernafon des dänischen WDH Konzerns.

 

Signia – Signia NX

Signia gehört zu den traditionellen Hörgeräte-Herstellern im Markt. Traten sie bis vor circa zwei Jahren als Siemens Audiologische Technik in Erscheinung, löst sich die neue Marke immer mehr vom alten Image. Signia ist die Hauptmarke des Sivantos-Konzerns, der aus der Abspaltung der S.A.T. vom Mutterkonzern Siemens entstanden ist.

Mit dem Signia NX hat Signia auf dem letztjährigen Euha-Kongress bereits seine zweite Generation Streaming-Hörgeräte binnen zwölf Monaten vorgestellt. Der Nachfolger des Pure BT 13 ist in drei Bauformen und mit der neuesten Chip-Technologie des Herstellers in drei Technikstufen erschienen.

 

Die Daten im Überblick:

Apps:

Signia hat aktuell zwei Apps für Streaming-Hörgeräte im Portfolio.

Die my contol app bietet alle klassischen Fernbedienungs-Optionen: Lautstärke; Programmwechsel; Stummschaltung des Systems;

Zudem lassen sich Klang, Batteriewarnton und ein Flugmodus einstellen.

Eine weitere Option ist die 360°-Mikrofon-Steuerung. Durch sie können die Hörgeräte in eine beliebige Hör-Richtung fokussiert werden.

Die App ist zusätzlich als iPad-Version erhältlich.

Die my hearing App bietet Hilfsmittel zum Trainieren der Hörfunktionen. Es können spezielle Hörübungen durchgeführt werden. Sie beinhaltet Gebrauchsanweisungen. Zudem kann man sich mit seinem Akustiker über die App in Verbindung setzen.

iPhone Daten:

Die my control app empfängt Daten der Bewegungssensoren des iPhones. Somit kann das Hörsystem besser bestimmen, in welcher Situation sich der Träger gerade befindet (im Auto, Restaurant, Spaziergang) und die Daten audiologisch nutzen.

Die App zeigt das Hörprofil sowie Stimm-Aktivitäten an, welche Indikatoren für das Hörverhalten sind.

Seit Kurzem ist es möglich, das iPhone-Mikrofon zur Schallaufnahme zu nutzen. So kann es als externes Mikrofon genutzt werden, beispielsweise bei einem Vortrag. Diese Funktion lässt sich, im Gegensatz zu anderen Herstellern, direkt in der App aktivieren.

 

 

Besonderheiten:

Signia Telelink erlaubt es, Hörsystemträgern durch hochfrequente akustische Signale von der myControl-App zu profitieren, wenn andere Wireless-Systeme nicht genutzt werden können. Das kannbeispielsweise im Flugmodus der Fall sein.

Die Kommunikation mit dem Akustiker über die myHearingApp sowie das Nutzen der Bewegungsdaten des Smartphones gehören zu den Alleinstellungsmerkmalen bei Sivantos.

 

 

Audioservice – Sun 16 G5

Audioservice ist die zweite Marke von Sivantos. Traditionell ist diese für ihre Im-Ohr-Hörgeräte-Sparte bekannt. Seit vielen Jahren kommen aber auch alle bekannten Hinter-dem-Ohr-Formen dazu. Audioservice bietet eine etwas günstigere Alternative zu Signia. Sie verfügen über eine eigene audiologische Entwicklung und haben etwas zeitversetzt Zugriff auf die gleiche Hardware. Mit dem Sun 16 g5 hat Audioservice sein erstes Streaming Hörgerät im Portfolio.

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Sun 16 G5 (Bildquelle: Sivantos)

Die Daten im Überblick:

Apps:

Die smart direct app ist in ihrem Umfang und Optik der Signia myhearing app ähnlich. Eigentlich nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass beide Marken auf die gleiche Hardware zugreifen.

Sie verfügt ebenfalls über alle Fernbedienungsfunktionen und die 360°-Mikrofonsteuerung.

Genau wie bei Signia zeigt die smart direct App das Hörprofil mit Stimmaktivität an.

iPhone Daten:

Ebenso nutzt die App Bewegungsdaten des iPhones, um audiologische Einstellungen am Hörsystem vorzunehmen. Wenn man in Bewegung ist, wird beispielsweise das “Rundum-Umgebungshören” aktiviert.

 

 

Besonderheiten:

Audioservice bietet eine etwas günstigere Alternative zu Signia-Geräten, die sich audiologisch unterscheiden können. Zu den Highlights zählen, wie bei der großen Schwester, das Nutzen der Bewegungsdaten zur audiologischen Optimierung der Hörsituation.

 

Oticon – OPN

Oticon ist einer der Weltmarktführer im Hörgeräte- Segment. Sie sind Teil der William Demant Holding aus Kopenhagen / Dänemark. WDH firmiert als Stiftung. Daraus resultiert, dass die erwirtschafteten Gewinne direkt in die Forschung fließen. Hören steht dabei als Hauptthema im Mittelpunkt. Es werden immer wieder neue Erkenntnisse ermittelt (beispielsweise im firmeneigenen Ida-Institut)  präsentiert und in die neuesten Hörtechniken implementiert. Mit Oticon OPN kam Mitte 2016 die erste Plattform streaming-fähiger Hörgeräte auf den Markt. Diese gibt es inzwischen in drei Technikstufen und insgesamt drei Bauformen.

 

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Die OPN-Familie (Bildquelle Oticon)

Die Daten im Überblick:

Apps:

Nutzt man Oticon OPN, benötigt man die ON App zur Fernsteuerung der Hörsysteme.

Mit ihr ist es möglich, Veränderungen der Lautstärke (beidseitig oder getrennt) vorzunehmen sowie die Programme zu wechseln. Sie beinhaltet die Bedienungsanleitung des gekoppelten Hörgerätes sowie nützliche Tipps zum Umgang mit einer Hörminderung.

Die App dient gleichzeitig als Zugang zum Portal “if this than that” (ifttt Link) und ist über die Apple Watch nutzbar.

 

iPhone Daten:

Durch die Verbindung mit der Plattform Ifftt kann das Hörsystem Daten aus dem Internet nutzen. Die Geräte können ins häusliche WLAN eingebunden werden. So ist es beispielsweise möglich, Beleuchtungen, smarte Türschlösser oder Emails zum Batteriestatus zu versenden oder Erinnerungen aus dem Telefon-Kalender als Sprachnachricht empfangen.

Das GPS-Modul des iPhones wird genutzt, um die letzte Kopplung der Geräte auf einer Karte anzuzeigen – sollte man die Geräte einmal verlegt oder verloren haben.

 

 

Besonderheiten:

Die Marken der Wiliam Demant Holding sind momentan die einzigen Anbieter, die die Plattform Ifttt nutzen um ihre Hörgeräte internetfähig zu machen. Oticon bietet zusätzlich die Oticon Tinnitus App für Betroffene. Durch die Kopplung mit dem iPhone sind die akustischen Signale direkt in den Ohren hörbar.

In diesem Jahr soll zudem die App hearingFitness erscheinen. Sie dient als Fitness-Tracker fürs Hören und ist erst kürzlich mit dem CES innovation award 2018 (Artikel) ausgezeichnet worden.

 

Bernafon – Zerena

Bernafon ist die zweite Marke der William Demant Holding. Das Stammhaus mit eigener Entwicklung hat seinen Sitz in Bern. Ähnlich wie bei Signia nutzen die Hersteller Hardware-Entwicklungen gemeinsam. Bernafon sieht seinen Schwerpunkt in individuelleren Anpass- und Beratungsstrategien als es die großen Marken bieten. Mit Zerena hat Bernafon eine neue Plattform in drei Technikstufen auf den Markt gebracht, die zum ersten Mal auch eine iPhone-Konnektivität mitbringt.

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Bernafon Zerena (Bildquelle: Bernafon)

 

Die Daten im Überblick:

Apps:

die easy Control-A App gleicht der Oticon App noch stärker als es schon bei Sivantos der Fall war. Lediglich das Hintergrundbild und die Farbgebung ist dem Corporate Design der Marke angepasst. Entsprechend gleicht sich auch der Funktionsumfang.

iPhone-Daten:

Bei den iPhone-Daten ist es ähnlich. Die Funktionen entsprechen denen bei Oticon. Auch hier gibt es die IFTTT-Kopplung über das ON-Portal und die Hörgeräte- Suchfunktion.

 

Besonderheiten:

Natürlich gilt es auch, beim Zerena von Bernafon die Internetfähigkeit durch IFTTT hervorzuheben. Ansonsten liegen die Unterschiede zu Oticon in erster Linie bei den verschiedenen audiologischen Konzepten der Hörsysteme.

 

Das war der erste Teil meines großen “made for iPhone”  Hörgeräte-Vergleichs. Im zweiten Teil, der in den nächsten Tagen erscheint, beleuchte ich die Produkte von GN Resound, Widex und Starkey. Dazu gibt es einen kleinen Ausblick und einen Überblick, was andere Hörgerätehersteller als Alternativen bieten.

 

2 Kommentare zu „Made for iPhone – Streaming-Hörgeräte im Überblick (Teil 1):

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